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	<title>Texte von Thilo Spahl</title>
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		<title>lebenmittelklarheit.de: Wutbürger beim Essenentlarven</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Nov 2011 17:58:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thilospahl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft & Technik]]></category>

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		<description><![CDATA[100 Tage nach dem Start der Internetplattform lebensmittelklarheit.de, die Teil der BMELV-Initiative “Klarheit und Wahrheit bei der Kennzeichnung und Aufmachung von Lebensmitteln” ist, zog Ministerin Ilse Aigner am 27. Oktober 2011 eine positive Zwischenbilanz: “Die überwältigende Resonanz zeigt, dass es richtig und wichtig war, dieses Portal zu fördern”. Die Freude ist begründet, denn die Nutzer [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=thilospahl.wordpress.com&amp;blog=17201371&amp;post=66&amp;subd=thilospahl&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>100 Tage nach dem Start der Internetplattform <a href="http://www.lebensmittelklarheit.de/" target="_blank">lebensmittelklarheit.de</a>, die Teil der <a class="zem_slink" title="Federal Ministry of Food, Agriculture and Consumer Protection" href="http://www.bmelv.de" rel="homepage">BMELV</a>-Initiative “Klarheit und Wahrheit bei der Kennzeichnung und Aufmachung von Lebensmitteln” ist, zog Ministerin Ilse Aigner am 27. Oktober 2011 eine positive Zwischenbilanz: “Die überwältigende Resonanz zeigt, dass es richtig und wichtig war, dieses Portal zu fördern”. Die Freude ist begründet, denn die Nutzer waren fleißig und haben am Online-Lebensmittelpranger in drei Monaten beachtliche 3.800 Produkte bemängelt. An Mängeln scheint kein Mangel zu herrschen. Ich bin beeindruckt. Ich wäre wahrscheinlich schon überfordert, wenn man mir die Aufgabe stellte, schlappe 380 Produkte &#8211; ganz egal, ob täuschende oder mustergültige – aufzulisten. Weil es so klasse läuft, hat Frau Aigner die Finanzierung für den Betrieb der Webseite erhöht. 975.000 Euro dürfen die Steuerzahler nun dafür bezahlen, dass sie anderen öffentlich mitteilen können, von welchen Lebensmitteln sie sich getäuscht fühlen.</p>
<p>Der triviale Hintergrund der ganzen Angelegenheit besteht in der schlichten Tatsache, dass Lebensmittel, wie alle anderen Produkte auch, von ihren Herstellern, in ein möglichst positives Licht gerückt werden. Dies geschieht nur vordergründig in der Absicht, Werbetextern und Verpackungsdesignern ein bescheidenes Auskommen zu sichern. In Wirklichkeit beabsichtigen die Multis, unschuldige Verbraucher dazu zu verlocken, ihre Produkte zu kaufen.</p>
<p>Nun gibt es Menschen, wie den Autor, die ihre wertvolle Zeit nicht damit verbringen, Verpackungen zu studieren, sondern vor allem darauf achten, dass der Inhalt schmeckt, und dabei ein paar grundsätzliche Kenntnisse im Hinterkopf behalten, die sich anzueignen nicht schwer ist, nämlich, dass Süßigkeiten Süßigkeiten sind, Fertigprodukte Fertigprodukte, Gemüse Gemüse und Fleisch Fleisch. Solche Sorglosigkeit kann die Sache der Ministerin nicht sein, denn sie hat ja, wie der Titel verrät, den Job, Verbraucher zu schützen. Wovor? Vor Ärger.</p>
<p>Mit Lebensmittelsicherheit hat „Lebensmittelklarheit“ nichts zu tun. Es geht nicht darum, dass irgendwelche Lebensmittel gesundheitlich bedenklich sind. Dass solche erst gar nicht angeboten werden, ist durch umfangreiche Zulassungsregularien gewährleistet. Es geht um das „Ärgerpotenzial“, wie es Gerd Billen, Chef der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), die mit dem Betrieb der Plattform beauftragt ist, formulierte. Jemand ärgert sich zum Beispiel darüber, dass „Sylter Salatfrische Topping“ nicht auf Sylt hergestellt wird oder dass allerlei Brühwürfel Hefeextrakt enthalten, der den Geschmack verstärkt, obwohl auf der Packung „ohne Geschmacksverstärker“ steht. (Das lässt sich leicht dadurch erklären, dass Hefeextrakt &#8211; ebenso wie z.B. Zucker und Salz &#8211; lebensmittelrechtlich nicht als Geschmacksverstärker eingestuft wird.)</p>
<p>Nun ist Ärger eine natürliche menschliche Regung. Und wenn sich denn einer, aus welchem Grund auch immer,  über zu groß oder zu klein Gedrucktes auf Lebensmittelpackungen ärgert, dann mag er sich Luft machen. Ist es aber die Aufgabe der Bundesregierung dieses Luftmachen zu organisieren, zu disseminieren und zu subventionieren?<br />
Und ist es überhaupt der Ärger, der zu den Klagen im Internet führt? Ist es nicht vielmehr bei den meisten eine große innere Leere, die in ihnen das Gefühl aufkommen lässt, berufen zu sein, ahnungslose Mitmenschen davor warnen zu müssen, Kinderschokolade im falschen Glauben zu verzehren, eine Extraportion Milch zu sich zu nehmen? Und sollen die Verbraucher überhaupt vor Ärger geschützt werden? Zielt die ganze Chose nicht vielmehr darauf, Millionen von Menschen auf bisher verpasste, weil unerkannte Gelegenheiten, sich zu ärgern, hinzuweisen und damit die Menge des Ärgers im Lande zu erhöhen?</p>
<p>Und wozu brauchen wir eigentlich lebensmittelklarheit.de, wo wir doch Foodwatch haben?<br />
Thilo Bode, selbst ernannter Cheflebensmittelbeobachter, findet es natürlich nicht knorke, dass jetzt Hinz und Kunz so tolle Enthüllungen machen darf, wie dass Tütensuppen nicht aus lauter frischem Gemüse bestehen, obwohl es auf der Packung abgebildet ist. Solche Sensationen an die dankbare Presse und durch diese an die dankbare Konsumentengemeinde zu vermelden, ist sein bewährtes Geschäftsmodell. Deshalb analysiert und kritisiert er messerscharf: Verbraucherministerin Ilse Aigner verfahre nach dem Motto: „Wenn der Verbraucher eine Täuschung entdeckt, dann kümmern wir uns darum. Wenn aber die Täuschung so überzeugend ist, dass der Verbraucher sie nicht entdeckt, dann ist offensichtlich alles in Ordnung.“ (zitiert nach dapd)</p>
<p>Wir lernen: Das Pfefferkuchenhaus aus Lug und Trug ist ein komplexes Gebäude. Da mag der eine oder andere gewöhnliche Esser Unsauberkeiten entdecken. Aber in die dunkelsten Ecken, die mit Schliche getarnt sind, dringt nur der Blick des Profis, des gelernten und geübten Foodwatchers. Aber wahrscheinlich braucht sich Herr Bode keine Sorgen zu machen. Wahrscheinlich sind es ja die 21.000 Förderer von Foodwatch, die die 3800 Beschwerden auf lebensmittelklarheit.de gepostet haben. Wir dürfen doch annehmen, dass wenigsten jeder fünfte der getreuen Sponsoren, sich gerne die Mühe gemacht hat, ein kleines „Sahneeis“-mit-zuwenig-Sahne-Ärgernis zum Besten zu geben.</p>
<p>Gibt es eigentlich einen Bedarf für noch mehr „Lebensmittelklarheit“? Wenn man die Kombination „Hefeextrakt“ und „Geschmacksverstärker“ googlet, erhält man 173.000 Treffer. Wir können also davon ausgehen, dass uns schon heute auf etwa 172.000 Webseiten enthüllt wird, dass Hefeextrakt ein Geschmacksverstärker ist. Ich nehme mal an, die gäbe es nicht in solcher Zahl, wenn nicht viele Menschen nach dergleichen Informationen dürsteten. Da kann eine mehr sicher nicht schaden.</p>
<p>Artikel erschien zuerst auf der Website von <a href="http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/000964">Novo Argumente</a></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/thilospahl.wordpress.com/66/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/thilospahl.wordpress.com/66/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/thilospahl.wordpress.com/66/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/thilospahl.wordpress.com/66/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/thilospahl.wordpress.com/66/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/thilospahl.wordpress.com/66/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/thilospahl.wordpress.com/66/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/thilospahl.wordpress.com/66/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/thilospahl.wordpress.com/66/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/thilospahl.wordpress.com/66/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/thilospahl.wordpress.com/66/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/thilospahl.wordpress.com/66/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/thilospahl.wordpress.com/66/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/thilospahl.wordpress.com/66/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=thilospahl.wordpress.com&amp;blog=17201371&amp;post=66&amp;subd=thilospahl&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Grenzwertige Angst</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Aug 2011 18:22:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thilospahl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle]]></category>

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		<description><![CDATA[Da Erdbeben und Tsunamis in Deutschland nicht wirklich als Bedrohung der Kernkraftwerke erscheinen, ist man wieder bei den Flugzeugen angekommen. Flugzeuge könnten, was extrem unwahrscheinlich ist, im Falle eines Absturzes ausgerechnet auf ein Kernkraftwerk prallen. Und sie könnten, was angesichts der Anschläge vom 11. September 2001 möglich erscheint, entführt und absichtlich auf eine Atomanlage gestürzt [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=thilospahl.wordpress.com&amp;blog=17201371&amp;post=73&amp;subd=thilospahl&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da Erdbeben und Tsunamis in Deutschland nicht wirklich als Bedrohung der Kernkraftwerke erscheinen, ist man wieder bei den Flugzeugen angekommen. Flugzeuge könnten, was extrem unwahrscheinlich ist, im Falle eines Absturzes ausgerechnet auf ein Kernkraftwerk prallen. Und sie könnten, was angesichts der Anschläge vom 11. September 2001 möglich erscheint, entführt und absichtlich auf eine Atomanlage gestürzt werden.</p>
<p>In der FAZ vom 18. Mai 2011 wies Stefan Dietrich darauf hin, dass auch Volksfeste und Fußballstadien nicht gegen Abstürze von Flugzeugen gesichert seien. Das Gleiche gilt bekanntlich für Hochhäuser, Chemiefabriken und überhaupt jedes erdenkliche Ziel. Das Argument zeigt einem die Grenzen der Sicherheit auf. Die Zahl der in Deutschland vor Flugzeugabsturz besonders schützenswerten Orte dürfte leicht in die Tausende gehen. Das Argument ist aber kein resignatives und impliziert auch nicht eine generelle Forderung nach Verzicht auf geeignete Maßnahmen zum Schutz gegen den Aufprall von Verkehrsflugzeugen. (Gerade weil Kernkraftwerke freistehend und von überschaubarer Größe sind, könnte man sie im Gegensatz zu vielen anderen möglichen Zielen schützen &#8211; etwa durch Stahlseilpyramiden, die ein anfliegendes Flugzeug in kleine abgebremste Stücke zersägen würden.)</p>
<p>Welchen Grund kann es geben, dass der Schutz vor Flugzeugabstürzen einzig in Hinblick auf Kernkraftwerke diskutiert und von manchen als unverzichtbar bezeichnet wird? Es hat offenbar mit einer sehr speziellen Risikowahrnehmung zu tun. Ein in der FAZ vom 20. Mai abgedruckter Leserbrief bringt in bemerkenswerter Klarheit eine Haltung zum Ausdruck, die in der Debatte kein Außenseiterstandpunkt zu sein scheint. Gerlind Schabert aus Bonn erkennt in Dietrichs Argument eine „Wisch-und-weg-Mentalität“. Sie fragt sich ob, „Stefan Dietrich ganz ernsthaft der Meinung“ sei, „ein Flugzeugabsturz auf ein Fußballstadion lasse sich mit dem auf ein Atomkraftwerk vergleichen.“ Sie selbst ist ganz anderer Ansicht. Und zwar folgender: „Es wäre eine Tragödie, wenn Tausende von Zuschauern in einem Stadion Opfer einer solchen Katastrophe würden. Kilometerbreite Evakuierungen und die Verseuchung von Luft und Boden mit Radioaktivität wären aber nicht zu erwarten. Das Gleiche dürfte für Volksfeste gelten.“</p>
<p>Gerlind Schabert hat recht: Tausende von menschlichen Todesopfern sind nicht vergleichbar mit der vorübergehenden Kontaminierung von einigen Quadratkilometern Land. Die Selbstverständlichkeit, mit der vielen hierzulande das Zweite als die offenbar weitaus größere Katastrophe erscheint, ist erschreckend.</p>
<p>In ihrem 2002 erschienenen Buch „RISK. A Practical Guide for Deciding What&#8217;s Really Safe and What&#8217;s Really Dangerous in the World Around You“ stufen die Autoren David Ropeik und George Gray von der Harvard University eine Vielzahl öffentlich diskutierter Risiken &#8211; von Brustimplantaten bis Ozonloch &#8211; auf einem „Risk Meter“ in zwei Kategorien ein: Wahrscheinlichkeit (der Exposition auf gefährlichem Niveau) und Konsequenzen (Schwere, Opferzahlen). Beim Thema Kernenergie fügen sie interessanterweise eine dritte Kategorie hinzu: „Einzigartige Konsequenzen (psychologische, wirtschaftliche und soziale Folgen)“. Ihre Einstufung lautet: Wahrscheinlichkeit: sehr gering; Konsequenzen: gering; einzigartige Konsequenzen: sehr hoch.</p>
<h3>Gefühltes Risiko</h3>
<p>Wie kommen Ropeik und Gray dazu, die Konsequenzen von Strahlenkontamination als gering einzustufen? Indem sie sich auf das stützen, was wir über die Wirkungen radioaktiver Strahlung wissen. Und die wichtigste Erkenntnis lautet hier: Dass irgendwo erhöhte Strahlung herrscht, heißt gar nichts. Auch Angaben wie „tausendfach erhöhte“ Strahlung, die vielen Menschen als Beleg einer Katastrophe gelten, wenn sie sie in der Zeitung lesen, sagen wenig aus. Entscheidend ist, wie viel Strahlung insgesamt in welcher Zeit auf einen Menschen einwirkt. Gemessen wird diese Strahlenwirkung in Sievert. Ein ganzes Sievert abzubekommen ist indes bisher nur recht wenigen Menschen widerfahren. Es ist eine Dosis, die schon zu akuter Erkrankung führen kann und die der Durchschnittsdeutsche in seinem ganzen Leben nicht abbekommt. Üblicherweise haben wir es mit Millisievert (mSv), also Tausendstel, oder Mikrosievert, also Millionstel, zu tun. Wenn jemand in Zusammenhang mit einem Unfall, oder auch bei einem medizinischen Eingriff, in kurzer Zeit einigen Millisievert an ionisierender Strahlung ausgesetzt ist, dann ist das Tausend mal mehr als die paar Mikrosievert, die in Deutschland die tägliche Hintergrundstrahlung ausmachen. Das heißt aber nicht, dass die Person Schaden nehmen muss. In der Tat ist die Schadenswahrscheinlichkeit solcher Dosen äußerst gering. Und nach heutigem Wissensstand gibt es neben der Schadensmöglichkeit sogar die Möglichkeit, dass man von dieser Strahlung gesundheitlich profitieren kann – bei medizinischen Eingriffen ist genau das bekanntlich der Grund der Bestrahlung.</p>
<p>Die Reaktionen auf Fukushima haben gezeigt, dass dennoch viele Menschen offenbar Radioaktivität als Gefährdung ohne Gleichen betrachten. Es besteht die offenkundige Neigung, „Strahlenfunde“ nicht nach ihrer konkreten Höhe und Gefährlichkeit zu bewerten, sondern stets als kleines Stückchen der großen Katastrophe, als absolutes Indiz, das die Gewissheit derselben nur einmal mehr belegt.</p>
<p>Die Diskrepanz zwischen realer und gefühlter Bedrohung dürfte bei kaum einem Schadstoff so hoch sein wie bei radioaktivem Material. Dieses psychologische Phänomen ist sicher erklärbar. Die Bombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki hatten der Welt das enorme Vernichtungspotenzial atomarer Waffen vor Augen geführt. Die anschließende Hochrüstung im Kalten Krieg hat die Möglichkeit des Auslöschens der Menschheit durch die riesigen Kernwaffenarsenale unmittelbar mit dem Begriff des „Atomtods“ in Verbindung gebracht. Der Zusammenhang von Radioaktivität und Krebs hat ein Weiteres getan. Wenn wir uns fragen, was wir nicht kriegen wollen, fällt den meisten von uns zuerst Krebs ein. So scheint die Kombination der beiden Hauptassoziationen, Bombe und Krebs, die Strahlenangst zur Königin der Ängste zu machen. Verdient hat sie diese Sonderstellung indes nicht. Denn sowohl in ihrer unmittelbaren Zerstörungswirkung, als auch in ihrem Potenzial, Krebs zu erzeugen, bleiben Atomunfälle, bis hin zum so genannten Super-GAU, weit hinter ihrem Ruf zurück.</p>
<p>Dass es in einem Kernkraftwerk nicht zu einer atomaren Explosion kommen kann, ist bekannt und wird nicht bezweifelt. Die Assoziation zur Bombe tritt also schnell in den Hintergrund, sobald die Diskussion um Bedrohungsszenarien etwas konkreter wird. Dominiert wird die Debatte eindeutig durch die Vorstellung der „Verseuchung“ und einer damit verbundenen schleichenden Verstrahlung. Es geht also um eine höchst unklare, recht diffuse Bedrohung durch ein Agens, das man nicht riechen, nicht sehen, nicht fühlen kann und dem schon deshalb etwas Perfides, Unsympathisches anhaftet. Die Tatsache, dass niemand mit den eigenen Sinnen die Gefahr wahrnehmen oder gar in ihrer Schadenswirkung einschätzen kann, steigert die Unheimlichkeit der Angelegenheit und öffnet Tür und Tor für spekulative, irrige und teilweise auch bewusst irreführende Vorstellungen und Behauptungen.</p>
<p>Die negativen gesundheitlichen Folgen von hoher Strahlenexposition sind belegt und unstrittig. Einer hohen Strahlendosis sind aber selbst bei schwersten Unfällen nur sehr wenige Menschen ausgesetzt. Sie tritt nur in direkter räumlicher Nähe eines Atomunfalls auf. Selbst von den Tausenden Arbeitern im Atomkraftwerk Fukushima haben nach bisheriger Erkenntnis nur 103 eine Dosis von mehr als 100 mSv und sechs davon mehr als 250 mSv abbekommen. Dies ist der Grenzwert, der international für Einsatzkräfte bei atomaren Katastrophen gilt. In diesem Bereich können zwar noch keine unmittelbaren Gesundheitsbeeinträchtigungen beobachtet werden, mit einiger Wahrscheinlichkeit steigt jedoch das Risiko für eine spätere Krebserkrankung leicht an.</p>
<p>Die Größenordnung des erhöhten Krebsrisikos ist aus der Nachverfolgung von Überlebenden der Atombombenabwürfe bekannt. Wir haben es nicht mit einem dramatischen Anstieg zu tun.</p>
<p>Nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz wurden bis Ende 1998 in der Gruppe der 105.000 Überlebenden in Hiroshima und Nagasaki rund 850 zusätzliche, durch Strahlung verursachte Erkrankungen an soliden Tumoren beobachtet. Hinzu kommen etwa 85 Leukämietodesfälle. Insgesamt hat also bei weniger als 1% der Betroffenen die Strahlenbelastung (meist einige Jahrzehnte später) zu einer Krebserkrankung geführt. Es wurden Betroffene mit Belastungen zwischen Null und über 2000 mSv erfasst. Dabei ergab sich für solide Tumoren in der Gruppe bis 100 mSv und bei Leukämien in der Gruppe bis 200 mSv kein statistisch signifikanter Anstieg. Der größte Anstieg ergab sich erwartungsgemäß bei der sehr kleinen Personengruppe mit extrem hoher Belastung von über 2000 mSv. Hier starben von 905 Betroffenen 20 an Leukämie. Das sind zehn mal mehr, als ohne die Strahlenbelastungen zu erwarten gewesen wäre. Aber es sind dennoch nur gut 2 Prozent der Betroffenen (und bei soliden Tumoren 9-10%). Vergleicht man dieses Risiko mit dem der Raucher, von denen 10% bis zum 75. Lebensjahr an Lungenkrebs erkranken, erscheint es wenig spektakulär. Vergleicht man mit dem in der Öffentlichkeit fast gar nicht wahrgenommenen Risiko, durch das Schimmelpilzgift Aflatoxin, an Leberkrebs zu erkranken, erscheint Strahlung ebenfalls von geringer Bedeutung. Von den mehr als 500.000 Leberkrebsfällen jährlich gehen 5-28% auf das Konto von kontaminierten Lebensmitteln wie Mais, Pistazien, usw..</p>
<p>Auch in Tschernobyl dürfte es zu Leukämieerkrankungen gekommen sein, aber sicher nicht zu vielen. In Tschernobyl wurde in der Tat das worst case scenario wahr. Wolfgang-Ulrich Müller, Professor am Universitätsklinikum Essen, fasste kürzlich im Deutschlandfunk die unklaren, aber auf jeden Fall unspektakulären Erkenntnisse zusammen: &#8222;Eigentlich ist zu erwarten, dass der eine oder andere Leukämie-Fall durch die Strahlendosen, die die Liquidatoren erhalten haben, aufgetreten ist. Und es gibt auch einige Untersuchungen, die in diese Richtung deuten. Aber so richtig handfeste Daten, wie wir sie zum Beispiel in Hiroshima und Nagasaki haben, die gibt es leider eben nicht.&#8220; Insgesamt dürfte der Anteil der auf Tschernobyl zurückführbaren Krebserkrankungen in Europa, einschließlich der stark kontaminierten Gebiete in der unmittelbaren Umgebung, in der Größenordnung von 0,01% liegen. Legt man die Erfahrungswerte von Hiroshima an, ist für Tschernobyl sogar nur mit drei Sterbefällen durch Leukämie und 78 durch andere Krebserkrankungen zu rechnen. Da die Liquidatoren die Gesamtdosis über einen längeren Zeitraum erhielten und nicht, wie die Atombombenüberlebenden, in einem Bruchteil einer Sekunde, ist generell bei gleicher Dosis sogar eher von geringeren gesundheitlichen Folgen auszugehen.</p>
<p>Wolfgang Weiss, Vorsitzender der UN-Strahlenschutzorganisation UNSCEAR und Fachbereichsleiter im Bundesamt für Strahlenschutz, rechnet auch in Fukushima für Personen, die nicht unmittelbar im Kraftwerk im Einsatz waren, nicht mit Gesundheitsbeeinträchtigungen: &#8222;In der nächsten Zeit werden wir uns vor allem um die psychologischen Konsequenzen für die Evakuierten kümmern. Bei allen anderen gesundheitlichen Folgen einer Havarie erwarten wir für diese Gruppe der Evakuierten keine größeren Probleme.&#8220;</p>
<p>Beachtet man zudem, dass Milliarden Menschen rauchen, dagegen bisher in Folge von Reaktorkatastrophen nur rund 1000 Menschen, aus der Gruppe der so genannten Liquidatoren in Tschernobyl, mit Strahlung von mehr als 2000 mSv belastet wurden, kann man eigentlich ein relativ entspanntes Verhältnis zur Kernenergie entwickeln. „Ach“, könnte man sagen, „gäbe es doch noch mehr Risiken wie die Kernkraft!“</p>
<h3>Grenzwert. Nein danke?</h3>
<p>Wenn man nun aber eine Meinungsumfrage durchführen würde und fragte, ob der Autor der behauptet, die Kernenergie habe bisher keinen großen Schaden angerichtet und sei auch wenig geeignet, dies in de Zukunft zu tun, ein Verharmloser sei, dann käme ohne Zweifel heraus, dass dem so sein müsse. Ich gebe also zu: mein Urteil basiert nicht auf der Analyse der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW). Diese haben uns kürzlich mitgeteilt, dass insgesamt 600 Millionen Europäer von der Tschernobylkatastrophe „gesundheitlich betroffen“ seien. (Auch im Geschäft mit der Angst scheint noch vielfach die Devise zu gelten „Viel hilft viel“.)</p>
<p>Mein Urteil basiert auch nicht auf jener Rechnung, die wir zum Beispiel beim Bundesamt für Strahlenschutz nachlesen können. Dort erhalten wir folgende Information:</p>
<p>„UNSCEAR schätzt auf der Grundlage der bisher ausgewerteten Daten der Atombomben-Überlebenden von Hiroshima und Nagasaki den Lebenszeit-Risikokoeffizienten für strahlenbedingte tödliche Leukämien und Krebs auf rund zwölf Prozent pro Sievert bei einer Bevölkerung aller Altersklassen. Das heißt, wenn 10.000 Personen mit zehn Millisievert bestrahlt werden, dann werden bis zu ihrem Lebensende zwölf Personen zusätzlich an Krebs und Leukämien sterben (Nach derzeitigen statistischen Befunden sterben ohne Strahleneinwirkung von 10.000 Personen etwa 2.500 an Krebs und Leukämie). Beim Auftreten von strahlenbedingter Leukämie ist mit einer Lebenszeitverkürzung von rund 30 Jahren, bei Krebs mit etwa 15 Jahren zu rechnen. Diese Risikoabschätzungen stützen sich auf Befunde bei hohen Dosen und hohen Dosisleistungen.“<sup>6</sup></p>
<p>Wenn man diese Rechnung nicht auf Anhieb versteht, so liegt das daran, dass hier etwas versteckt ist, was für die Bewertung des Strahlenrisikos von entscheidender Bedeutung ist. Es ist die so genannte Linear No Threshold (LNT) Hypothesis. Frei übersetzt: die Hypothese vom nicht vorhandenen Grenzwert. Diese besagt, dass bei ionisierender Strahlung das Risiko einer resultierenden Gesundheitsschädigung (durch Krebs) sich zwar mit abnehmender Strahlendosis verringert, aber nicht ab irgendeinem Grenzwert zu vernachlässigen ist. Der Rechenweg ist dann, wie wir oben sehen, ganz einfach. Von 100 Menschen, die eine Strahlendosis von 1000 Millisievert ausgesetzt sind, erkranken (und sterben) 12 an Krebs. Ist die Strahlendosis aber 100 mal kleiner, nämlich 10 Millisievert, muss ich die Zahl der Betroffenen mit 100 multiplizieren, um wieder auf 12 Tote zu kommen. Auf diese Weise kann man auch bei sehr niedrigen Strahlenwerten immer noch auf beachtliche Opferzahlen kommen, wenn man sich auf große Bevölkerungsgruppen bezieht. So erhöhte sich in Deutschland im Jahr 1986 durch die Freisetzung radioaktiver Substanzen in Folge des Tschernobyl Unfalls die jährliche Belastung um 0,1 mSv, sie war also noch einmal 100 mal kleiner als in dem Beispiel. Um wieder auf 12 Tote zu kommen, müssen wir nun nicht von 10.000 sondern von einer Million Betroffenen ausgehen. Da Deutschland aber 80 Million Einwohner hat, können wir sogar fast 1000 Tote verbuchen. So weit, so gut. Und auf jeden Fall richtig gerechnet. Wenn dem so wäre, wäre durch Tschernobyl tatsächlich das Krebsrisiko der Deutschen von etwa 25% auf etwa 25,001% gestiegen (was die meisten von uns allerdings auch nicht gerade in Panik ausbrechen lassen sollte). Dennoch ist die Rechnung höchst zweifelhaft. Wir haben nämlich ein ernstes Problem. Der letzte Satz der oben zitierten Ausführung lautet: „Diese Risikoabschätzungen stützen sich auf Befunde bei hohen Dosen und hohen Dosisleistungen.“ Bei den Opfern von Hiroshima und Nagasaki konnte bei hohen Dosen, die in sehr kurzer Zeit auf die Menschen einwirkten (deshalb auch hohe Dosisleistung), ein erhöhtes Krebsrisiko festgestellt werden. Jedoch bereits im Bereich um 100 bis 200 mSv, also dem Tausendfachen der Tschernobyldosis für Deutschland, war dieser Zusammenhang nicht mehr feststellbar. Die LNT Hypothese steht daher auf wackeligen Füßen. Es ist durchaus denkbar, dass sie für Radioaktivität genauso wenig gilt wie für Gifte. Wenn wir 100 Gramm Salz essen, sind wir sofort tot. Wer daraus folgert, dass von 100 Menschen, die je ein Gramm Salz essen, einer stirbt, von dem wird man verlangen, dass er sehr gute Gründe für diese Behauptung vorbringen muss. Hinzu kommt, dass nicht zwischen Belastungen unterschieden wird, die in einer Sekunde auf uns einwirken, und solchen, die im Verlauf eines Jahres einwirken. Doch auch das ist sehr wichtig, denn schließlich tritt Krebs nur dann auf, wenn die Reparaturmechanismen des Körpers überfordert sind. Und da macht es einen großen Unterschied, wie groß der Zeitraum ist, über den sich die Strahlung verteilt. So wie es einen großen Unterschied macht, ob ich einen Liter Alkohol in einem Zug trinke, oder im Verlauf eines Jahres.</p>
<p>Das Festhalten an der LNT Hypothese wird hauptsächlich damit begründet, dass es keinen Beweis dafür gibt, dass sie nicht gelte. Ein solcher lässt sich aber schlicht nicht erbringen. Da wir bei keinem der jährlich Millionen Krebstoten exakt die Ursache der Erkrankung benennen können, kann es nie als unmöglich gelten, dass einige davon auf niedrig dosierte ionisierende Strahlung zurückzuführen sind.</p>
<p>Das LNT Modell basiert auf dem Vorsorgeprinzip. Es ist durchaus nachvollziehbar, dass man bei Festlegung von Vorschriften für den beruflichen Umgang mit Radioaktivität nach dem ALARA-Prinzip (as low as reasonably achievable) vorgeht. Eindeutig problematisch wird dieser Ansatz allerdings, wenn man in der gesellschaftlichen Diskussion um Anwendung und Entwicklung von Nukleartechnologie den Grundgedanken des Modells, dass es theoretisch keinen Wert für ungefährliche Strahlung gibt, zum Dreh- und Angelpunkt der Gesamtwahrnehmung macht. Dann gerät das Naturphänomen Radioaktivität zum Teufelszeug. Die gefühlte Bedrohung übersteigt die reale bei Weitem, und die rationale Debatte leidet.</p>
<p>Auch wenn wir an der LNT-Hypothese festhalten, sollte man zu einem entspannteren Umgang mit Kontaminationen durch Unfälle kommen. Denn die Belastung durch Reaktorunfälle ist im Vergleich zu anderen Quellen ionisierender Strahlung insgesamt gering. Da es für die Wirkung von Strahlung belanglos ist, aus welcher Quelle sie stammt, steigt unser Krebsrisiko durch eine Flugreise nach Übersee in ungefähr dem gleichen Maße wie durch den Fallout von Tschernobyl. Eine Mammographie entspricht acht Tschernobyls. Die durchschnittliche Belastung pro Einwohner und Jahr durch Computertomographie beträgt etwa 1 mSv, ist also 10 mal so hoch wie die Belastung durch Tschernobyl in 1986 (und 100 mal so hoch wie die verbleibende Belastung durch Tschernobyl in 2009). Nun unterzieht sich aber durchaus nicht jeder Deutsche jedes Jahr einer Computertomographie. Das heißt, im Einzelfall ist die Dosis deutlicher höher, nämlich pro Anwendung 3 bis 10 mSv. Insgesamt wurden in Deutschland 2009 je 1.000 Einwohner 114 CT-Untersuchungen durchgeführt (absolut: 9,37 Mio. Untersuchungen an 4,88 Mio. Patienten). Eine Studie in den USA an knapp einer Million Menschen hat ergeben, dass 1,86% der Versicherten jährlich einer Strahlenwirkung von mehr als 20 mSv und 0,19% sogar mehr als 50 mSv durch medizinische Diagnostik ausgesetzt waren. Hochgerechnet ergibt sich, dass etwa 4 Millionen Amerikaner jährlich mit mehr als 20mSv pro Jahr belastet sind &#8211; jenem Wert, der in Japan als Grenzwert für die Evakuierung genommen wurde.</p>
<p>In den unmittelbar von der Tschernobylkatastrophe betroffenen Regionen der Länder Russland, Weißrussland und Ukraine lag die durchschnittliche kumulierte Belastung von 1986 bis 2005 in der Größenordung einer einzigen Computertomographie. Die Belastung in den am meisten kontaminierten Gebieten betrug in 1986 –1995 0,9 mSv in Weißrussland, 0,76 mSv in Russland, und 1.4 mSv in der Ukraine. Therapeutische Anwendungen gehen sogar noch weit über die diagnostischen Dosen hinaus. Bei der Radiotherapie von Krebs wird der Tumor und das umgebende gesunde Gewebe mit Dosen von 2000-3000 mSv pro Tag bestrahlt.</p>
<p>Die natürliche Strahlung ist einigen Region der Erde weit über den hierzulande üblichen etwa 2mSv pro Jahr. Die höchsten Werte wurden in Teilen der Stadt Ramsar im Iran gemessen und liegen bei bis zu 260 mSv.</p>
<h3>Hormesis</h3>
<p>Es ist in der Natur nicht unüblich, dass Substanzen in niedriger Konzentration keine negative oder sogar eine positive, mitunter lebensnotwendige Wirkung haben, die ab einem gewissen Grenzwert ins Negative umschlägt und dann erst mit wachsender Dosierung immer schädlicher wird. Das gilt für das meiste, was wir essen: Vitamine, Mineralstoffe, aber auch die Nährstoffe Zucker, Fett und Proteine. Es gilt auch für Rotwein, die Strahlen der Sonne oder eine kalte Dusche.</p>
<p>Alle Lebewesen sind seit Beginn des Lebens vor rund 4 Milliarden Jahren permanent ionisierender Strahlung ausgesetzt. Schon als wir noch Einzeller waren, haben wir daher Regenerationsmechanismen entwickelt. Aus evolutionärer Sicht ist es daher nicht plausibel, dass niedrig dosierte Strahlung ein Problem für uns sein sollte. Es gibt sogar zunehmend Hinweise, dass sie eine positive Wirkung haben könnten. Auf der Website des Bundesamts für Strahlenschutz (BFS) lesen wir:</p>
<p>„Ob kleine Dosen ionisierender Strahlung möglicherweise biopositive Reaktionen in biologischen Systemen auslösen können, wird kontrovers diskutiert. Das Erscheinungsbild dieser biopositiven Effekte, die häufig unter dem Begriff Hormesis zusammengefasst werden, wird als vielfältig beschrieben (…) Diese Effekte werden typischerweise im Dosisbereich unterhalb von 200 mSv beobachtet.“</p>
<p>Nun sollten wir nicht soweit gehen, diese Darstellung des BFS, dessen Präsident, Wolfram König, der Grünen Partei angehört und von Jürgen Trittin 1999 ins Amt gesetzt wurde, aufzugreifen und behaupten, Zehntausenden von Betroffenen in der Umgebung des Kraftwerks Fukushima könnten mitunter gesundheitlich von der freigesetzten Strahlung profitieren. Die Behauptung, dass die freigesetzte Radioaktivität eher zu den kleineren Problemen im Erdbebengebiet zählt, ist jedoch durchaus plausibel.</p>
<p>Die bisherigen Erfahrungen mit radioaktiver Strahlung lassen es denkbar erscheinen, dass der in Deutschland geltende Jahresdosisgrenzwert von 1 mSv für zusätzliche Strahlung aus künstlichen Quellen um das 100 bis 1000-fache überschritten werden kann, ohne dass die Gesundheit davon beeinträchtigt würde. Es sollte zumindest daher als diskussionswürdig betrachtet werden, die extrem niedrigen Grenzwerte in Frage zu stellen. Der Physikprofessor Wade Allison von der Oxford University plädiert dafür, den Grenzwert, von dem an mit Gesundheitsschäden zu rechnen ist, auf 200 mSv pro Monat hochzusetzen. Das ist mehr als das Tausendfache der Hintergrundstrahlung in Deutschland und mehr als das 2000-fache des derzeit geltenden Jahresdosisgrenzwerts. Die extrem niedrigen Grenzwerte führen nicht nur zu hohen Kosten, sondern auch zu großer Verunsicherung und, im Falle von Evakuierungen, zu erheblichen Belastungen für die Betroffenen.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/thilospahl.wordpress.com/73/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/thilospahl.wordpress.com/73/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/thilospahl.wordpress.com/73/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/thilospahl.wordpress.com/73/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/thilospahl.wordpress.com/73/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/thilospahl.wordpress.com/73/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/thilospahl.wordpress.com/73/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/thilospahl.wordpress.com/73/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/thilospahl.wordpress.com/73/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/thilospahl.wordpress.com/73/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/thilospahl.wordpress.com/73/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/thilospahl.wordpress.com/73/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/thilospahl.wordpress.com/73/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/thilospahl.wordpress.com/73/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=thilospahl.wordpress.com&amp;blog=17201371&amp;post=73&amp;subd=thilospahl&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>AKW-Stresstests: Volksfeste sind keine Atomkraftwerke</title>
		<link>http://thilospahl.wordpress.com/2011/05/23/akw-stresstests-volksfeste-sind-keine-atomkraftwerke/</link>
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		<pubDate>Mon, 23 May 2011 14:57:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thilospahl</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Wissenschaft & Technik]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Reaktionen auf die Ergebnisse der „Stresstests“ für Kernkraftwerke in der letzten Woche waren nicht wirklich überraschend. Da Erdbeben und Tsunamis in Deutschland nicht wirklich als Bedrohung der Kernkraftwerke erscheinen, ist man wieder bei den Flugzeugen angekommen. Flugzeuge könnten, was extrem unwahrscheinlich ist, im Falle eines Absturzes ausgerechnet auf ein Kernkraftwerk prallen. Und sie könnten, [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=thilospahl.wordpress.com&amp;blog=17201371&amp;post=35&amp;subd=thilospahl&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Reaktionen auf die Ergebnisse der „Stresstests“ für Kernkraftwerke in der letzten Woche waren nicht wirklich überraschend. Da Erdbeben und Tsunamis in Deutschland nicht wirklich als Bedrohung der Kernkraftwerke erscheinen, ist man wieder bei den Flugzeugen angekommen. Flugzeuge könnten, was extrem unwahrscheinlich ist, im Falle eines Absturzes ausgerechnet auf ein Kernkraftwerk prallen. Und sie könnten, was angesichts der Anschläge vom 11. September 2001 möglich erscheint, entführt und absichtlich auf eine Atomanlage gestürzt werden.</p>
<p>In der FAZ vom 18. Mai wies Stefan Dietrich darauf hin, dass auch Volksfeste und Fußballstadien nicht gegen Abstürze von Flugzeugen gesichert seien. Das Gleiche gilt bekanntlich für Hochhäuser, Chemiefabriken und überhaupt jedes erdenkliche Ziel. Das Argument zeigt einem die Grenzen der Sicherheit auf. Die Zahl der in Deutschland vor Flugzeugabsturz besonders schützenswerten Orte dürfte leicht in die Tausende gehen. Das Argument ist aber kein resignatives und impliziert auch nicht eine generelle Forderung nach Verzicht auf geeignete Maßnahmen zum Schutz gegen den Aufprall von Verkehrsflugzeugen. Gerade weil Kernkraftwerke freistehend und von überschaubarer Größe sind, könnte man sie im Gegensatz zu vielen anderen möglichen Zielen schützen -  etwa durch Stahlseilpyramiden, die ein anfliegendes Flugzeug in kleine abgebremste Stücke zersägen würden.</p>
<p>Welchen Grund kann es geben, dass der Schutz vor Flugzeugabstürzen einzig in Hinblick auf Kernkraftwerke diskutiert und von manchen als unverzichtbar bezeichnet wird? Es hat offenbar mit einer sehr speziellen Risikowahrnehmung zu tun. Ein in der FAZ vom 20. Mai abgedruckter Leserbrief bringt in bemerkenswerter Klarheit eine Haltung zum Ausdruck, die in der Debatte kein Außenseiterstandpunkt zu sein scheint. Gerlind Schabert aus Bonn erkennt in Dietrichs Argument eine „Wisch-und-weg-Mentalität“. Sie fragt sich ob, „Stefan Dietrich ganz ernsthaft der Meinung“ sei, „ein Flugzeugabsturz auf ein Fußballstadion lasse sich mit dem auf ein Atomkraftwerk vergleichen.“ Sie selbst ist ganz anderer Ansicht. Und zwar folgender: „Es wäre eine Tragödie, wenn Tausende von Zuschauern in einem Stadion Opfer einer solchen Katastrophe würden. Kilometerbreite Evakuierungen und die Verseuchung von Luft und Boden mit Radioaktivität wären aber nicht zu erwarten. Das Gleiche dürfte für Volksfeste gelten.“</p>
<p>Gerlind Schabert hat recht: Tausende von menschlichen Todesopfern sind nicht vergleichbar mit der vorübergehenden Verseuchung von einigen Quadratkilometern Land. Die Selbstverständlichkeit, mit der vielen hierzulande das Zweite als die offenbar weitaus größere Katastrophe erscheint, ist erschreckend.</p>
<p>In ihrem 2002 erschienenen Buch „RISK. A Practical Guide for Deciding What’s Really Safe and What’s Really Dangerous in the World Around You“ stufen die Autoren David Ropeik und George Gray von der Harvard University eine Vielzahl öffentlich diskutierte Risiken, von Brustimplantaten bis Ozonloch, auf einem „Risk Meter“ in zwei Kategorien ein: Wahrscheinlichkeit (der Exposition auf gefährlichem Niveau) und Konsequenzen (Schwere, Opferzahlen). Beim Thema Kernenergie fügen sie bemerkenswerterweise eine dritte Kategorie hinzu: „Einzigartige Konsequenzen (psychologische, wirtschaftliche und soziale Folgen)“. Ihre Einstufung lautet: Wahrscheinlichkeit – sehr gering, Konsequenzen – gering, einzigartige Konsequenzen – sehr hoch).</p>
<p><a href="http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/000857" target="_blank">Weiterlesen bei NOVO Argumente &#8230;</a></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/thilospahl.wordpress.com/35/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/thilospahl.wordpress.com/35/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/thilospahl.wordpress.com/35/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/thilospahl.wordpress.com/35/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/thilospahl.wordpress.com/35/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/thilospahl.wordpress.com/35/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/thilospahl.wordpress.com/35/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/thilospahl.wordpress.com/35/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/thilospahl.wordpress.com/35/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/thilospahl.wordpress.com/35/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/thilospahl.wordpress.com/35/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/thilospahl.wordpress.com/35/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/thilospahl.wordpress.com/35/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/thilospahl.wordpress.com/35/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=thilospahl.wordpress.com&amp;blog=17201371&amp;post=35&amp;subd=thilospahl&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Globale Ernteschlacht</title>
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		<pubDate>Mon, 16 May 2011 14:13:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thilospahl</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wie viele Menschen die Erde ertragen kann, hängt von der Lebensweise ab. In diesem Jahr wird die Erdbevölkerung die 7-Milliarden-Marke überschreiten. Mit gigantischem Materialeinsatz und neuen Strategien kämpfen Staaten auf allen Kontinenten gegen den Hunger. Die Lebensmittelpreise steigen schier unaufhörlich. Allein in den letzten zwölf Monaten verteuerten sich die Artikel bei den Discountern hierzulande um [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=thilospahl.wordpress.com&amp;blog=17201371&amp;post=15&amp;subd=thilospahl&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4><strong>Wie viele Menschen die Erde ertragen kann, hängt von der Lebensweise ab. In diesem Jahr wird die Erdbevölkerung die 7-Milliarden-Marke überschreiten. Mit gigantischem Materialeinsatz und neuen Strategien kämpfen Staaten auf allen Kontinenten gegen den Hunger.</strong></h4>
<div>Die Lebensmittelpreise steigen schier unaufhörlich. Allein in den letzten zwölf Monaten verteuerten sich die Artikel bei den Discountern hierzulande um sieben Prozent, ergaben jüngste Warenkorb-Untersuchungen. Zu den Hauptgründen zählen die hohen Rohstoffpreise und die zunehmende Nachfrage wegen der wachsenden Weltbevölkerung. „Wir stecken mitten in einer globalen Lebensmittelkrise“, konstatiert der US-Ökonom und Nobelpreisträger Paul Krugman.2011 ist das Jahr, in dem die Weltbevölkerung die 7-Milliarden-Marke überschreiten wird – aktuellen UN-Prognosen zufolge am 31. Oktober. Experten befürchten, dass die globale Nahrungsmittelproduktion nicht mehr Schritt halten kann im Wettlauf mit dem Bevölkerungswachstum. Noch liegt die Menschheit gut im Rennen. Zwar leiden 925 Millionen an Hunger, doch die Welternährungsorganisation <a class="zem_slink" title="Food and Agriculture Organization" href="http://www.fao.org" rel="homepage">FAO</a> meldet sinkende Zahlen. Die Weltbevölkerung stieg von 1961 bis 2009 auf das 2,2-Fache, die Getreideerzeugung auf das 2,8-Fache. Nun fragen sich viele, ob der positive Trend anhält.</div>
<h4><strong>Die Krise wird aber auch als Signal für den Aufbruch genutzt.</strong></h4>
<div>
<p>Denn die Landwirtschaft ist noch lange nicht am Ende. <a class="zem_slink" title="Obiageli Ezekwesili" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Obiageli_Ezekwesili" rel="wikipedia">Obiageli Ezekwesili</a>, Vizepräsidentin der Weltbank für Afrika, gibt sich optimistisch. Durch die Preisanstiege sei die Wichtigkeit der Landwirtschaft wiederentdeckt worden, sagt sie. „Eine beträchtliche Zahl afrikanischer Länder ist nun in der Lage, jährliche Produktivitätssteigerungen von drei Prozent zu realisieren. Zuvor waren es weniger als ein Prozent.“</p>
<p>Tatsächlich kann man in vielen Schwellenländern und auch in Afrika einen Boom der Landwirtschaft beobachten. Patrick Caron, Forschungsleiter des Zentrums für Internationale Zusammenarbeit in der Agrarforschung (CIRAD) in Paris, bezeichnet es als große Überraschung, dass sich in Afrika die Getreideerträge von 1961 bis 2003 verdoppelt haben. Mitte der 1960er-Jahre mussten in Entwicklungsländern noch 57 Prozent der Menschen mit weniger als 2200 Kalorien pro Tag auskommen, Ende der 1990er waren es nur noch zehn Prozent.</p>
</div>
<div><a href="http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/mensch/tid-22578/tid-22580/forschung-und-technik-globale-ernteschlacht_aid_627354.html">Weiterlesen bei FOCUS Online &#8230;</a></div>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/thilospahl.wordpress.com/15/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/thilospahl.wordpress.com/15/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/thilospahl.wordpress.com/15/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/thilospahl.wordpress.com/15/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/thilospahl.wordpress.com/15/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/thilospahl.wordpress.com/15/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/thilospahl.wordpress.com/15/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/thilospahl.wordpress.com/15/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/thilospahl.wordpress.com/15/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/thilospahl.wordpress.com/15/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/thilospahl.wordpress.com/15/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/thilospahl.wordpress.com/15/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/thilospahl.wordpress.com/15/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/thilospahl.wordpress.com/15/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=thilospahl.wordpress.com&amp;blog=17201371&amp;post=15&amp;subd=thilospahl&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Wie viele Menschen kann der Planet ernähren?</title>
		<link>http://thilospahl.wordpress.com/2011/04/11/wie-viele-menschen-kann-der-planet-ernahren/</link>
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		<pubDate>Mon, 11 Apr 2011 15:10:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thilospahl</dc:creator>
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		<description><![CDATA[2011 ist das Jahr, in dem die Weltbevölkerung die 7 Milliarden-Marke überschreiten wird. Wie im Jahr 1999, als wir die 6 Milliarden, im Jahr 1986, als wir die 5 Milliarden, und im Jahr 1974, als wir die 4 Milliarden überschritten, werden wir gewiss auch in diesem Jahr fragen: Wie lange kann das Wachstum weitergehen? Für [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=thilospahl.wordpress.com&amp;blog=17201371&amp;post=41&amp;subd=thilospahl&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>2011 ist das Jahr, in dem die Weltbevölkerung die 7 Milliarden-Marke überschreiten wird. Wie im Jahr 1999, als wir die 6 Milliarden, im Jahr 1986, als wir die 5 Milliarden, und im Jahr 1974, als wir die 4 Milliarden überschritten, werden wir gewiss auch in diesem Jahr fragen: Wie lange kann das Wachstum weitergehen? Für die meisten Menschen ist das eine bange Frage. Sie können sie nicht beantworten. Aber sie sind besorgt. Zu Unrecht. Denn wenn wir die Entwicklung der letzten Jahrzehnte betrachten, haben wir allen Grund zum Optimismus. Der noch zu erwartende Anstieg auf rund 10 Milliarden Menschen bis zur Mitte des Jahrhunderts ist eine Herausforderung, die durchaus zu meistern ist.</p>
<p>Während sich die Weltbevölkerung seit 1950 mehr als verdoppelt hat, konnte die Getreideproduktion im gleichen Zeitraum verdreifacht werden. Pro Kopf produzieren wir heute 40% mehr Nahrungsmittel als in den 1950er Jahren. Und nicht nur bei der Ernährung geht es bergauf. Der Wissenschaftsautor Matt Ridley resümiert in seinem im Herbst auch in Deutsch erscheinenden Buch <em><a title="The Rational Optimist" href="http://www.amazon.de/Rational-Optimist-Economic-Progress-Evolution/dp/0007378904">The Rational Optimist</a></em>: „Vergleicht man das Jahr 2005 mit dem Jahr 1955, so verdiente der Durchschnittsmensch auf diesem Planeten (inflationsbereinigt) fast dreimal so viel Geld, nahm ein Drittel mehr Kalorien zu sich, die Kindersterblichkeit war auf ein Drittel gesunken und die Lebenserwartung um ein Drittel gestiegen.“</p>
<p><a href="http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/000828">Weiterlesen bei NOVO Argumente &#8230;</a></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/thilospahl.wordpress.com/41/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/thilospahl.wordpress.com/41/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/thilospahl.wordpress.com/41/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/thilospahl.wordpress.com/41/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/thilospahl.wordpress.com/41/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/thilospahl.wordpress.com/41/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/thilospahl.wordpress.com/41/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/thilospahl.wordpress.com/41/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/thilospahl.wordpress.com/41/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/thilospahl.wordpress.com/41/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/thilospahl.wordpress.com/41/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/thilospahl.wordpress.com/41/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/thilospahl.wordpress.com/41/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/thilospahl.wordpress.com/41/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=thilospahl.wordpress.com&amp;blog=17201371&amp;post=41&amp;subd=thilospahl&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Folgen des Reaktorunfalls in Tschernobyl</title>
		<link>http://thilospahl.wordpress.com/2011/03/18/folgen-des-reaktorunfalls-in-tschernobyl/</link>
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		<pubDate>Fri, 18 Mar 2011 15:14:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thilospahl</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Wissenschaft & Technik]]></category>

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		<description><![CDATA[In deutschen Medien wird im Zusammenhang mit den Ereignissen im Atomkraftwerk von Fukushima immer wieder der Vergleich mit dem Reaktorunfall im damals noch sowjetischen Tschernobyl bemüht &#8211; auch wenn eine mit den Ereignissen von 1986 vergleichbare Entwicklung in Japan unwahrscheinlich ist. Dabei werden Ausmaß und Folgen des schwersten Atomunfalls aller Zeiten häufig übertrieben wiedergegeben. Aus [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=thilospahl.wordpress.com&amp;blog=17201371&amp;post=44&amp;subd=thilospahl&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In deutschen Medien wird im Zusammenhang mit den Ereignissen im Atomkraftwerk von Fukushima immer wieder der Vergleich mit dem Reaktorunfall im damals noch sowjetischen Tschernobyl bemüht &#8211; auch wenn eine mit den Ereignissen von 1986 vergleichbare Entwicklung in Japan unwahrscheinlich ist. Dabei werden Ausmaß und Folgen des schwersten Atomunfalls aller Zeiten häufig übertrieben wiedergegeben. Aus diesem Grund veröffentlicht NovoArgumente hier den Artikel <a title="„Folgen des Reaktorunfalls in Tschernobyl“ (Novo Nr. 3-4 2006) " href="http://www.novo-magazin.de/81/novo8110.htm">„Folgen des Reaktorunfalls in Tschernobyl“ (Novo Nr. 3-4 2006) </a>von Thilo Spahl. Er berichtet über die wichtigsten Punkte eines im September 2005 vom „Tschernobyl-Forum“ vorgelegten umfassenden Berichts, in dem mehr als 100 Naturwissenschaftler, Ökonomen und Gesundheitsspezialisten die Folgen des Reaktorunglücks in Tschernobyl vor 25 Jahren zusammengefasst haben.</p>
<p>Ein riskantes Experiment im Block 4 des ukrainischen Kernkraftwerks führte am 26. April 1986 zur Explosion des Reaktors. Etwa 350.000 Anwohner wurden evakuiert. Der größte Teil der freigesetzten radioaktiven Stoffe zerfiel innerhalb weniger Wochen. Langlebigere radioaktive Stoffe, die freigesetzt wurden (Cäsium-137, Strontium-90), haben eine Halbwertszeit von etwa 30 Jahren. Der Tschernobyl-Reaktor ist mit westeuropäischen Technologie- und Sicherheitsstandards nicht vergleichbar.<br />
Die aktuellen Ergebnisse des „Tschernobyl-Forums“ stehen zum Teil in deutlichem Widerspruch zu den verbreiteten Vorstellungen von den Folgen dieses größten anzunehmenden Reaktorunfalls (GAU). In den deutschen Medien war in den letzten Jahren von bis zu 500.000 Tschernobyl-Toten und 3,5 Millionen Strahlenopfern mit Behinderungen zu lesen. Die wichtigsten Ergebnisse des „Tschernobyl-Forums“ lauten:</p>
<ul>
<li>Bis Mitte 2005 wurden weniger als 50 Todesfälle direkt der Strahlung aus der Katastrophe zugeschrieben. Praktisch alle Opfer gehörten zu den Rettungskräften, die sehr stark bestrahlt worden waren. Viele starben in den ersten Monaten nach dem Unfall, aber andere haben bis ins Jahr 2004 überlebt.</li>
<li>  Von den über 200.000 Rettungs-, Bergungs- und Sanierungskräften, die 1986 bis 1987 eingesetzt und bestrahlt wurden, könnten Schätzungen zufolge 2200 an den Folgen der Bestrahlung vorzeitig sterben.</li>
</ul>
<p><a href="http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/000809">Weiterlesen bei NOVO Argumente &#8230;</a></p>
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		<title>Wer hat Angst vorm fremden Mann?</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Feb 2011 14:00:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thilospahl</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Über die biologischen Grundlagen des Universalismus. Fremdheit ist wieder ein Thema geworden. Viele Deutsche sind der Auffassung, die Integration von Menschen aus anderen Kulturkreisen sei eine Art kaum zumutbarer Herkules-, wenn nicht sogar Sisyphosaufgabe. Aber sind wir Menschen uns wirklich so fremd? Der menschliche Körper ist ein Ergebnis der Evolution. Wir alle sind die direkten [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=thilospahl.wordpress.com&amp;blog=17201371&amp;post=7&amp;subd=thilospahl&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Über die biologischen Grundlagen des Universalismus.</strong><br />
Fremdheit ist wieder ein Thema geworden. Viele Deutsche sind der Auffassung, die Integration von Menschen aus anderen Kulturkreisen sei eine Art kaum zumutbarer <a class="zem_slink" title="Heracles" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Heracles" rel="wikipedia">Herkules</a>-, wenn nicht sogar Sisyphosaufgabe. Aber sind wir Menschen uns wirklich so fremd?</p>
<p>Der menschliche Körper ist ein Ergebnis der Evolution. Wir alle sind die direkten Nachkommen von Vorfahren, die wiederum Nachkommen ihrer unmittelbaren Vorfahren waren. Jeder von uns ist somit das Resultat einer ununterbrochenen Reproduktionskette, die bis zum Beginn des Lebens vor über drei Milliarden Jahren zurückreicht. Die Organe, Eigenschaften und Fähigkeiten unseres Körpers sind Resultat von Variation und natürlicher Auslese. Sie sind so, wie sie sind, weil sie sich in der Vergangenheit als vorteilhaft erwiesen haben.</p>
<p>Was für unseren Körper gilt, gilt auch für unseren Geist. Er ist Ergebnis der Evolution und kann daher nur als Ansammlung von spezifischen Anpassungen gesehen werden, die es uns ermöglicht haben, die Herausforderungen der Vergangenheit erfolgreich zu meistern. Wir können den Geist also in Analogie zum Körper als ein Gefüge von vielen mentalen Organen sehen, mit denen wir von Geburt aus ausgestattet sind.</p>
<h3>Einheit und Vielheit</h3>
<p>Die Evolutionspsychologen <a class="zem_slink" title="John Tooby" href="http://en.wikipedia.org/wiki/John_Tooby" rel="wikipedia">John Tooby</a> und Lea Cosmides haben sich in dem Aufsatz „Über die Universalität der menschlichen Natur und die Einzigartigkeit des Individuums“ der alten Frage nach der Einheit in der Vielheit gewidmet und diese aus evolutionärer Sicht beantwortet. (1) Sie erklären, weshalb sowohl die alle Menschen vereinende identische menschliche Natur als auch die mannigfaltigen Unterschiede zwischen den Menschen Ergebnis der Evolution sind und nicht im Widerspruch zueinander stehen. Grundsätzliche Persönlichkeitsmerkmale, Verhaltensmuster und kognitive Fähigkeiten sind demnach Anpassungen, also das Ergebnis natürlicher Auslese in der Vergangenheit. Solche Anpassungen sind aber stets im Zusammenwirken einer großen Zahl von Genen festgeschrieben, sodass sie nicht in einzelnen Personen auftauchen können und in anderen nicht. Sie sind darauf angewiesen, weitgehend unbeeinflusst von interindividuellen genetischen Unterschieden stabil zu funktionieren. Denn bei jeder Empfängnis werden ja zwei Genome komplett durcheinander gewürfelt, wobei keine Chance besteht, dass Komplexe aus Hunderten von spezifischen Genvarianten zusammenbleiben. Anpassungen dieser Art sind generell unabhängig von einzelnen Genvarianten und als psychologische Mechanismen universell – vergleichbar etwa dem aufrechten Gang, der fünffingrigen Hand, usw.</p>
<p>Angeborene Unterschiede zwischen den Menschen sind deshalb nicht Ausdruck unterschiedlicher Anpassungen, sondern entstehen entweder zufällig oder als Beiprodukt anderer Anpassungen. Insbesondere sind sie Resultat des beständigen Kampfs gegen Parasiten, der die wesentliche Ursache für die genetische Vielfalt des Menschen (und auch anderer langlebiger Organismen) darstellt. Wenn wir nicht mithilfe der sexuellen Reproduktion in jeder Generation die Gene neu mischen würden, würde es uns schon lange nicht mehr geben. Denn all die kleinen Feinde (Viren, Bakterien und sonstige Schmarotzer), die sich aufgrund der kurzen Generationenfolge von wenigen Minuten schnell so weiterentwickeln, dass sie unsere Schwachstellen ausnutzen können, würden sonst nicht nur uns dahinraffen, sondern auch alle unsere Klonbrüder und Klonkinder.</p>
<p>Mit dem Sex haben wir einen Weg gefunden zu bewirken, dass sich unsere Nachkommen in Millionen zufälliger Details von uns unterscheiden. Diese qualitativen Unterschiede spielen sich jedoch auf der Ebene ab, auf der die Parasiten agieren, auf der mikroskopischen Ebene der Proteine. Sie spielen sich nicht auf der Ebene der körperlichen und mentalen Organe ab. Daher gibt es keinen Widerspruch zwischen der universellen menschlichen Natur und der hohen genetischen Vielfalt. Die Evolution hat dafür gesorgt, dass wir Menschen in allen für uns bedeutsamen Funktionen identisch sind, denn sie sorgt dafür, dass Funktionsbeeinträchtigungen sich nicht verbreiten können. Sie hat gleichzeitig dafür gesorgt, dass wir für Parasiten sehr unterschiedlich sind. Ob wir also bei Betrachtung unserer Mitmenschen mehr Gemeinsamkeiten oder mehr Unterschiede sehen, hängt davon ab, ob wir die Perspektive eines Menschen oder die eines Parasiten einnehmen.</p>
<p><a href="http://www.novo-argumente.com/magazin.php/archiv/novo110_36">Weiterlesen im NOVO Argumente Blog &#8230;</a></p>
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		<title>Grüne Neue Welt &#8211; Warum einfarbiger Fortschritt nicht genug ist.</title>
		<link>http://thilospahl.wordpress.com/2010/12/01/grune-neue-welt-warum-einfarbiger-fortschritt-nicht-genug-ist/</link>
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		<pubDate>Wed, 01 Dec 2010 18:34:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thilospahl</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[„I don’t accept second place for the United States of America. I want us to be first in wind power, first in solar power, and I want us to be first when it comes to biodiesel.“ (Barack Obama, April 2010) (1) Es gibt Grüne, die in den 80er-Jahren hängen geblieben sind. Es sind die Jute-statt-Plastik-Grünen, [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=thilospahl.wordpress.com&amp;blog=17201371&amp;post=77&amp;subd=thilospahl&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„I don’t accept second place for the United States of America. I want us to be first in wind power, first in solar power, and I want us to be first when it comes to biodiesel.“ (Barack Obama, April 2010) (1)</p>
<p>Es gibt Grüne, die in den 80er-Jahren hängen geblieben sind. Es sind die Jute-statt-Plastik-Grünen, die, zwar längst mit Funktionswäsche ausgestattet, festgetretenen Outdoor-Pfaden folgen, sich aber im Grunde das Weltbild dieser für viele prägenden Gründerzeit der Umweltbewegung bewahrt haben. Sie pflegen es in einigermaßen behaglichen gesellschaftlichen Biotopen, in denen manche sich sehr wohl fühlen, andere vielleicht auch etwas unter der selbst gewählten Entkopplung von der realen Welt leiden. Sie sind weder der Technik noch der Wirtschaft zugetan. Sie kennen ihre Feinde.</p>
<p>Es gibt aber auch Grüne, an denen die letzten 30 Jahre nicht spurlos vorbeigegangen sind, die vielfach auch erst später ergrünt sind, sich teilweise dem grünen Lager gar nicht zugehörig fühlen und sich vor allem dadurch auszeichnen, dass sie einen starken Gestaltungswillen zeigen. Sie wollen die Welt nach ihrer Vorstellung neu erschaffen und folgen dabei dem bei Henry Ford entlehnten Motto: You can have it any color you like, as long as it’s green. Wie sollen wir den zweiten, moderneren Typus von Grünen nennen, der uns Technik, Wirtschaft, Wachstum, Fortschritt erlauben will, solange sie grün sind? Neogrüne, Technogrüne? Vielleicht lieber gar nicht „Grüne“, um zu verdeutlichen, dass sie nicht unmittelbar mit der grünen Partei zu tun haben? Neoöks? Ökotechies? Der passende Begriff wird sich finden. Ich nenne sie vorläufig Ökoingenieure.</p>
<h3>Dem Ingeniör ist nichts zu schwör</h3>
<p>Dr. Erika Fuchs’ Kurzcharakterisierung der von Daniel Düsentrieb perfekt verkörperten Geisteshaltung des Ingenieurs, derzufolge keine Herausforderung zu groß sei, als dass nicht eine Lösung gefunden werden könne, scheint auch auf Ökoingenieure zuzutreffen. 100 Prozent erneuerbare Energien im Deutschland des Jahres 2050 – kein Problem! Kein Problem zumindest, eine Studie zu verfassen, die die Machbarkeit belegt. Es gibt indes fließende Übergänge zwischen dem Typus des Jute-statt-Plastik-Grünen und dem des Ökoingenieurs. Der Ökoingenieur ist innovationsfreundlich, und das ist ihm hoch anzurechnen. Er sieht, dass die technischen Möglichkeiten längst nicht ausgereizt sind. Er neigt aber dazu, das Vertrauen in Innovationskraft und Verbesserungsfähigkeit auf „grüne“ Technik zu begrenzen, und pflegt eine Kategorisierung, die andere Bereiche in pejorativer bis denunziatorischer Weise ausklammert und mit negativen Bezeichnungen belegt: Risikotechnik, Großtechnik, Agrotechnik. Ebenso wird die Wirtschaft in Gut und Böse geschieden. Hier scheint das Motto zu gelten: je größer, desto gemeiner; je kleiner, desto sympathischer. Regional vertriebene Solarzellen aus der örtlichen Manufaktur sind jedoch zu schön, um wahr zu sein. Das erkennt auch der Ökoingenieur und hat daher den altbeliebten Lokalismus über Bord geworfen. Aus seiner Sicht reicht es nicht, selbst einen ökologisch korrekten Alltag zu pflegen. Im Angesicht der drohenden Katastrophe ist nichts Geringeres erforderlich als ein Umsteuern der Menschheit.</p>
<h3>Die Krise als Chance</h3>
<p>Man wird sich kaum wundern, dass die Finanzkrise der letzten Jahre viele Menschen dazu ermutigte, ein Umdenken und einen Neuanfang zu fordern. Das ist gut. Nichts ist erfreulicher als Offenheit für Veränderung. Wenn wir es denn wirklich damit zu tun hätten! Es ist ebenso nicht verwunderlich, dass dabei die manifeste, unzweifelhafte Finanzkrise die Existenz der ökologischen Krise zu bekräftigen hatte und somit der Ausweg aus der Doppelkrise vielfach als notwendig grün dargestellt wurde und wird. Bedauerlich ist es, wenn das Umdenken in sehr enge Bahnen führt.</p>
<p>Im Koalitionsvertrag der rot-grünen Minderheitsregierung in Nordrhein-Westfalen wird für das Land die „ökologisch-industrielle Revolution“ angekündigt. Andere, wie der Chef der <a class="zem_slink" title="Heinrich Böll Foundation" href="http://www.boell.de/service/home.html" rel="homepage">Heinrich-Böll-Stiftung</a>, Ralf Fücks, sprechen von einer „grünen industriellen Revolution“ und einem „grünen Wirtschaftswunder“. (2) Da uns umfassende staatliche Programme aus der Krise führen sollen, ist in Anlehnung an das Reformprogramm Roosevelts von 1933 bis 1938 auch von einem „Green New Deal“ die Rede. <a class="zem_slink" title="Claudia Kemfert" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Claudia_Kemfert" rel="wikipedia">Claudia Kemfert</a> vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung ermutigt uns sogar, „drei Krisen mit einer Klappe zu schlagen: die Finanz-, Energie- und auch die Klimakrise“. (3) Ihr Ausweg: „richtige Anreize“ und „klimabewusste Geschäftsmodelle“. Da es solche grünen Geschäftsmodelle mittlerweile zuhauf gibt, ist auch der Übergang zwischen Industrielobby und Umweltschutzorganisationen fließend geworden.</p>
<h3>Ist grüner Fortschritt echter Fortschritt?</h3>
<p>Natürlich soll man Anreize für Innovationen geben. Auch ist Effizienzsteigerung ein legitimes Ziel. Aber es ist eines, dem man keine übermäßige Beachtung schenken muss. Denn wenn höhere Effizienz einen klaren Kostenvorteil bringt, setzt sie sich am Markt ohnehin durch. Wenn sie das nicht bringt, weil zum Beispiel der höhere Anschaffungspreis durch die Einsparungen bei den Verbrauchskosten nicht wettgemacht wird, wie bei Hybrid- und Elektroautos, dann ist diese Innovation auch der Rede nicht wert. Gefordert ist der Staat vielmehr dort, wo es gilt, grundlegende Innovationen voranzutreiben, und wo das ökonomische Risiko so hoch ist, dass sich keine privaten Geldgeber finden, etwa bei Milliarden Euro teuren Prototypen neuer Kernreaktoren oder bei der Grundlagenforschung. Der Kernreaktor ließe sich dabei noch ins grüne Paradigma eingliedern. Immer mehr Klimaschützer befürworten Atomenergie. Aber so etwas wie grüne Grundlagenforschung kann es nicht geben. Und Grundlagenforschung ist das Fundament des technischen Fortschritts.</p>
<p>Die Fürsprecher und Aktivisten der grünen Revolution haben einen unverantwortlich eingeengten Innovationsbegriff. Bei Klimaschutz, Ressourcen- und Energieeffizienz geht es um die Optimierung der vorhandenen Technik, und auch dies lediglich in Richtung erhöhter Effizienz. Wird der Fortschritt ins Korsett des Eco-Mainstreaming gepresst, bleibt wenig übrig. Fortschritt in der Informationstechnik beschränkt sich nicht auf effizientere Computer, die Zukunft der Medizin liegt nicht in energiesparenden Röntgengeräten, die Zukunft der Energietechnik nicht in Dämmmatten, und der Fortschritt in der Verkehrstechnik kann nicht nur aus Videokonferenzsystemen bestehen. Technik ist ein universelles Mittel zum Zweck und nicht Mittel zur Erreichung des Zwei-Grad-Klimaziels.</p>
<p>Es ist gut, wenn Amerika die Nummer eins bei Windturbinen, Solarkraftwerken und Biotreibstoffen sein will. Es ist aber nur gut, wenn es auch die Nummer eins in der Biotechnologie, der Raumfahrt, der Kerntechnik, der Lasertechnik usw. sein will. Und es ist nur gut, wenn Europa und Asien ebenfalls die Nummer eins sein wollen. Wir brauchen globalen Wettbewerb um die beste Wissenschaft und die besten Technologien. Und wenn man es mit dem legitimen Ziel Klimaschutz ernst nimmt, dann sind das Maß aller Dinge, so der Kolumnist der New York Times, Thomas L. Friedman, „chinesische Preise“. (4) Wer mit seiner innovativen Technik saubere Energie zu dem Preis liefern kann, zu dem in China Strom mit Kohlekraftwerken gewonnen wird, der hat eine echte Innovation, die den Lauf der Dinge verändern wird. So hoch müssen wir die Latte legen. Ineffiziente Solarzellen zur Befriedigung des Bedürfnisses nach ökologisch korrektem Konsum zu subventionieren ist dagegen schlicht innovationsfeindlich.</p>
<p><a href="http://www.novo-argumente.com/magazin.php/archiv/novo108_22">Weiterlesen bei Novo Argumente</a></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/thilospahl.wordpress.com/77/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/thilospahl.wordpress.com/77/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/thilospahl.wordpress.com/77/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/thilospahl.wordpress.com/77/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/thilospahl.wordpress.com/77/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/thilospahl.wordpress.com/77/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/thilospahl.wordpress.com/77/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/thilospahl.wordpress.com/77/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/thilospahl.wordpress.com/77/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/thilospahl.wordpress.com/77/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/thilospahl.wordpress.com/77/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/thilospahl.wordpress.com/77/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/thilospahl.wordpress.com/77/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/thilospahl.wordpress.com/77/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=thilospahl.wordpress.com&amp;blog=17201371&amp;post=77&amp;subd=thilospahl&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Der alte Mann und das Klima</title>
		<link>http://thilospahl.wordpress.com/2010/09/17/der-alte-mann-und-das-klima/</link>
		<comments>http://thilospahl.wordpress.com/2010/09/17/der-alte-mann-und-das-klima/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 17 Sep 2010 15:19:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thilospahl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft & Technik]]></category>

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		<description><![CDATA[Es war ein Vergnügen, den Buhmann der internationalen Klimabürokratie sprechen zu hören. Am Mittwoch, den 15. September 2010 stellte Fred Singer auf Einladung des wirtschaftspolitischen Sprechers der FDP Bundestagsfraktion, Paul Friedhoff, in kleiner Runde seine Sicht der Dinge dar. Der 85 jährige gebürtige Wiener, der als Jugendlicher zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in die USA [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=thilospahl.wordpress.com&amp;blog=17201371&amp;post=50&amp;subd=thilospahl&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war ein Vergnügen, den Buhmann der internationalen Klimabürokratie sprechen zu hören. Am Mittwoch, den 15. September 2010 stellte Fred Singer auf Einladung des wirtschaftspolitischen Sprechers der FDP Bundestagsfraktion, Paul Friedhoff, in kleiner Runde seine Sicht der Dinge dar. Der 85 jährige gebürtige Wiener, der als Jugendlicher zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in die USA emigrierte, entschuldigte sich vorab charmant für sein Kinderdeutsch und sprach in der Tat in klaren Worten. Er habe gute Nachrichten. Kopenhagen sei gescheitert. „Wir müssen den Chinesen und Indern dafür danken.“<br />
Mit diesem Satz gewinnt der kleine freundliche alte Herr mit Cowboy-Schlips meine Sympathie, denn es steckt mehr darin als nur der Verweis auf die Tatsache, dass sich die aufstrebenden asiatischen Mächte nicht zu massiver CO2-Reduzierung verpflichten lassen. In Singers Worten höre ich auch Respekt für die Einstellung der Asiaten. Armut, sagt er, könne nur durch Wachstum überwunden werden. Und das hält er für ein hehres Ziel. Es mag ihm bewusst sein, dass ein Gutteil der hier zelebrierten Klimaretterei der Angst vor den dynamischen, fortschrittsorientierten China geschuldet ist. Das Kioto-Protokoll habe Billionen gekostet und nichts gebracht. Warum? Weil in Hinblick auf das Klima das Folgende gelte:</p>
<ol>
<li>Das Klima ändert sich immer. (Die nächsten 200 Jahre wird es wohl wärmer werden, dann dürfte es wieder in Richtung Eiszeit gehen)</li>
<li>Der Mensch ist nicht verantwortlich für die Veränderung des Klimas</li>
<li>Menschen verändern die Zusammensetzung der Atmosphäre. Die CO2-Konzentration nimmt zu. Das hat vielleicht einen Einfluss, aber einen unbedeutenden.</li>
<li>Der Weltklimarat IPCC gibt dem CO2 die Schuld an der aktuellen Klimaerwärmung, hat aber keine Beweise dafür.</li>
<li>Das NIPCC (Nongovernmental International Panel on Climate Change) gibt dem CO2 nicht die Schuld.</li>
<li>Es gibt keinen Konsens. Die Skeptiker werden gewinnen.</li>
</ol>
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