Atomkraft: Die Neuerfindung der Kernenergie

Seit Merkels kühner Wende scheint das Ende der Kernenergie in Deutschland besiegelt. Das Land präsentiert sich als Eldorado für Windmüller und Solardachbesitzer und als Sperrgebiet für Kernphysiker. Ganz Deutschland? Nein! In Berlin hat sich eine kleine Truppe von Enthusiasten zusammengefunden, die mitmischen wollen, wenn die Renaissance jener Energiequelle eingeläutet wird, die beides kann: sehr billig sein und gleichzeitig CO2-frei.

Dass man es mit Exoten in der schnell wachsenden Berliner Start-up Szene zu tun hat, erkennt man schon am sperrigen Namen. „Institut für Festkörper-Kernphysik (IFK) GmbH“ klingt nicht gerade sexy und nicht nach schnellem Geld im Internet. Es klingt auch nicht nach Atomindustrie. Streng genommen muss man das Gründungsunternehmen aber wohl dazu zählen. Denn das Geschäftsmodell besteht darin, eine ganz neue Art von Kernreaktor zu entwickeln und zu kommerzialisieren. Das war so allerdings erst mal nicht geplant. Als der Kernphysiker Armin Huke das Unternehmen vor vier Jahren als gemeinnützige GmbH gründete, wollte er vor allem seine Grundlagenforschung im Bereich der Kernfusion fortführen, nachdem an der TU Berlin wie an vielen kernphysikalischen Instituten in Deutschland die Kernphysik in ein Nischendasein gedrängt worden war. Die Sache mit dem Reaktor ergab sich eher zufällig. Zusammen mit seinem früheren Kommilitonen Götz Ruprecht suchte er nach einem verwertbaren Projekt. Ruprecht war nach Kanada gegangen, wo er am nationalen Kernforschungszentrum TRIUMF Prozesse untersuchte, die im Innern von Sternen ablaufen. Zusammen kam ihnen die Idee, eine neue Quelle für Molybdän 99 zu entwickeln. Das ist ein radioaktives Isotop, das in der Medizin von großer Bedeutung ist und für das 2010 ein akuter globaler Versorgungsengpass entstanden war. Es ließ sich nicht wirtschaftlich umsetzen, lieferte aber neue Lösungen, wie auf Basis alter Konzepte aus den 1950er und 60er Jahren, der wilden Zeit der Kernenergieforschung, ein hoch effizientes Kraftwerk gebaut werden könnte. „Da haben wir gemerkt, dass viel mehr geht, als das, was heute in der Industrie zur Anwendung kommt“, sagt Huke. „Die heutigen Reaktoren haben eine Menge Nachteile, die keineswegs sein müssten.“ Zusammen mit Ruprecht und einigen anderen hat er deshalb in den letzten drei Jahren den sogenannten Dual Fluid Reaktor entworfen und zum Patent angemeldet. Der beansprucht so viele Vorteile, dass auch hartgesottene Atomkraftgegner ins Nachdenken kommen könnten.

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