Afrika: Keine Kohle mehr für Kohle

Beim Klimagipfel in New York hat Umweltministerin Barbara Hendricks die Absicht der Bundesregierung bekräftigt, den Bau von Kohlekraftwerken in Afrika nicht mehr zu fördern. Sie offenbart damit das antihumane Denken der Klimarettergemeinde, findet Thilo Spahl.

Fast drei Milliarden Menschen weltweit kochen noch auf offenem Feuer. Sie verbrennen Holz, Kuhfladen oder Holzkohle. 4,3 Millionen sterben jährlich an den Folgen der Schadstoffbelastung durch diese Art der Energienutzung.

Der Pro-Kopf Verbrauch an Energie der einen Milliarde Menschen, die südlich der Sahara leben, beträgt 124 Kilowattstunden im Jahr. In Deutschland sind es rund 7500. Hätten wir genauso wenig, könnten wir nur 24 Minuten am Tag ein Leben führen, wie wir es gewohnt sind, den Rest der Zeit müssten wir ohne Strom, Warmwasser, Licht, Computer, usw. auskommen. Wieviel mühsamer und komplizierter und unproduktiver ein solches Leben zwangsläufig ist, kann man sich kaum vorstellen. Dabei sind rund zwei Drittel der Stromerzeugungskapazitäten in Südafrika konzentriert. Der Großteil der Menschen auf dem Kontinent liegt also sogar noch weit unter dem Durchschnittswert.

Laut Bundesumweltministerin Barbara Hendricks soll sich daran lieber langsam als schnell etwas ändern. „Da die Weltgemeinschaft bis Mitte des Jahrhunderts auf den Einsatz von Kohle- oder Gaskraftwerken verzichten müsse, werde Deutschland auch keine Finanzierung von Kohlekraftwerken in Schwellen- und Entwicklungsländern mehr fördern“, gab sie bekannt. [1] Sie ist der Auffassung, damit einen Beitrag zum dauerhaften Frieden auf der Welt zu leisten, den sie durch den Klimawandel bedroht sieht.

Frau Hendricks ist sicher nicht die Einzige, die billige Energie für Afrika ablehnt. Viele Menschen halten eine moderne Stromversorgung auf westlichem Niveau für die armen Teile der Welt für ebenso unerreichbar wie unangemessen. Billige und sicher verfügbare Energie ist aber die Basis von allem. Sie erleichtert jedwede menschliche Aktivität: Bildung, Gesundheitsversorgung, Transport, Lebensmittelerzeugung, Wasserversorgung, Produktion, usw. Knappe, unzuverlässige und teure Energie macht alles schwer und ist damit der mit Abstand schlimmste Hemmschuh für die Entwicklung armer Länder.

Laut IEA müssten rund 300 Milliarden Dollar investiert werden, um bis 2030 den allgemeinen Zugang zu Elektrizität in Afrika aufzubauen. Das ist deutlich weniger Geld als Deutschland für die Ökostromumlage ausgibt. Der Nutzen für die Menschheit wäre aber unvergleichlich viel größer.

Wenn man Kapazitäten schnell aufbauen will, ist das Mittel der Wahl vorhandene Technik für kostengünstige Energieerzeugung, sprich Kohle- und Gaskraftwerke. Afrika hat größere Gasvorkommen als die USA, fördert aber nur ein Viertel so viel, wovon das meiste exportiert wird. Nach einer Schätzung des Center for Global Development kann mit Investitionen von 10 Milliarden US-Dollar in erneuerbare Energien eine Elektrizitätsversorgung für 30 Millionen Menschen aufgebaut werden. Der gleiche Betrag in Gaskraftwerke investiert würde jedoch 90 Millionen Menschen Zugang zu Elektrizität ermöglichen. [2]

Wir sollten uns dafür einsetzen, dass in Afrika nicht weniger, sondern mehr Energie erzeugt und verbraucht wird. Es geht nicht um Solarpavillons für Dörfer, sondern um eine leistungsfähige Versorgung, bei der in jedem Haushalt, nicht anders als bei uns, der Strom schlicht aus der Steckdose kommt. Wenn deutsche Klimaretter davon überzeugt sind, eine Niedrigenergiewelt sei eine bessere Welt, dann können sie gerne bei sich selbst anfangen, aber nicht bei den Ärmsten der Armen.

erschienen bei NovoArgumente

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