CSR: Burger aus Ökostrom

Deutschland soll bis zum Jahr 2050 zu 80 Prozent auf Strom aus erneuerbarer Energie umsteigen. Die Deutsche Bahn hat sich bis dahin sogar 100 Prozent vorgenommen.  Die Restaurantkette McDonald‘s hat das schon 2014 geschafft. Thilo Spahl ist sehr beeindruckt.

McDonald’s hat es geschafft: Das Unternehmen hat den Anteil an Ökostrom von 25 Prozent im Jahr 2011 auf 100 Prozent in diesem Jahr gesteigert. 300 Prozent Zuwachs in nur vier Jahren! So steht es im Themenfeld „Planet“ des Nachhaltigkeitsberichts des Unternehmens. [1] Wie konnte das gelingen? Der beispielhafte Einsatz bestand wohl darin, beim Auslaufen vorhandener Stromlieferverträge den Tarif zu wechseln.

Hat das Unternehmen damit dazu beigetragen, dass die Welt besser wird? Oder wenigstens, dass weniger CO2 in die Atmosphäre gelangt? Die Antwort ist ein klares Nein. Ökostrom wird nicht deshalb produziert, weil ihn McDonald‘s oder Tante Barbara kauft, sondern weil die Erzeuger gar keine Käufer dafür suchen müssen: Sie speisen ihn zum garantierten Preis einfach ins Netz ein. Er würde auch produziert, wenn keiner einen Ökostromtarif wählen würde.

Und er wird natürlich, wenn er erst einmal im Netz ist, auch diskriminierungsfrei an alle geliefert – an die umweltbewussten Ökostromkunden, an die normalen Menschen wie Du und ich, die einfach nur ordinären Graustrom aus konventionelle Elektronen kaufen, und zur Not auch an Nachbarländer, die ihn gar nicht haben wollen. Es gibt genug davon. Nie hat man gehört, dass einem wechselwilligen Interessenten gesagt wurde, er habe sich bis zum nächsten Jahr zu gedulden, man müsse erst noch ein paar Solaranlagen aufstellen, um ihn dann beliefern zu können.

Aus Sicht von McDonald‘s und Tante Barbara ist jedoch das Praktischste: Die Mehrkosten für den teuren Strom werden auch auf alle gleichermaßen verteilt, auf die umweltbewussten Ökostromkunden und auf die normalen Menschen wie Du und ich. Würden alle Ökostromtarife Deutschlands abgeschafft, würde keine Kilowattstunde mehr oder weniger Ökostrom produziert. Gleichzeitig könnte man eine Menge Geld sparen, weil Ökostromvergleichsportale, Werbebroschüren für Ökostrom der 810 deutschen Ökostromanbieter und Plakatkampagnen der Bundesregierung nicht mehr erforderlich wären.

Nicht nur Geld könnte man sparen, sondern natürlich auch Energie. Dietlind Freiberg, Senior Director Corporate Responsibility & Environment bei McDonald’s Deutschland, müsste nicht mehr mit dem Auto jeden Morgen zu ihrem Arbeitgeber fahren, sondern könnte bestimmt mindestens einen Tag pro Woche zuhause bleiben. Die kleinen Halogenspots zur Beleuchtung der eingerahmten Lieferurkunden [2] für 100 Prozent Ökostrom in den McDonald’s-Restaurants könnten entfallen. Und beim aufwändigen Lebensstil des Wirtschaftsprüfers, der McDonald’s nach gründlicher Begutachtung bescheinigt, dass es wirklich 100 Prozent als Ökostrom deklarierten Strom bezieht, könnten ebenfalls klimaschonende Abstriche gemacht werden.

Wenn wir uns zu noch mehr Verzicht durchringen wollen, wäre es auch wunderbar, auf die McDonald’s-Apps zur Bewusstseinserweiterung der Kunden namens McMission zu verzichten, mit denen das Unternehmen seinen „Gästen zentrale Nachhaltigkeitsaspekte spielerisch näherbringen“ möchte:

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erschienen bei NovoArgumente

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