Greenpeace: Neue Bienen, alte Botschaft

Die grüne Vorzeige-NGO Greenpeace entführt uns in einem aktuellen Werbespot in eine Welt, die uns nicht gefallen soll, und sucht die Zukunft in der Vergangenheit. Novo-Wissenschaftsressortleiter Thilo Spahl klärt über Bienen und Blumen auf.

Mit einem neuen Werbespot der Bienenkampagne weicht Greenpeace vom üblichen Propagandastil ab, präsentiert uns ein scheinbar freundliches Zukunftsszenario und stellt am Ende eine Frage, die wahrscheinlich von den meisten Zuschauern schnell und verlässlich im Sinne des Auftraggebers beantwortet wird.

Der Spot „NewBees“ [1] zeigt die heile Welt einer Blumenwiese, auf der wenige Jahre nach dem Aussterben der Honigbiene, kleine „Wunder fortgeschrittener Robotik“, also künstliche „neue Bienen“, den Job der Bestäubung übernommen haben. Selbstverständlich sind sie solarbetrieben, effizient, preiswerter als ihre natürlichen Vorbilder und recyclebar. Kinder können sich unbesorgt von ihnen umschwärmen lassen, stechen tun sie nicht. Wehrhaft sind sie dennoch: Einer Hornisse wird kurzerhand durch Pestizidbeschuss der Garaus gemacht. Diese Szene, in der das echte Lebewesen durch die vermeintlich so perfekten „Neuen Bienen“, so kaltblütig wie nur Roboter es können, vergast wird, soll den Betrachter irritieren und die bis dahin positive emotionale Stimmung leicht erschüttern. Ihr folgen jedoch gleich die spielenden Kinder, die uns vermitteln, dass alles wirklich gut sei.

Zwei Sekunden im vermeintlichen Abspann müssen dann genügen, um zu zeigen, dass wir uns womöglich täuschen und einlullen lassen haben. Eine Tafel präsentiert die Logos von zwölf Unternehmen, denen besonderer Dank gilt. Es sind natürlich Monsanto, BASF, Bayer, usw. Danach folgt die Frage „Sollen wir ein neue Welt schaffen oder unsere eigene erhalten?”- eine Formulierung, für die Greenpeace der beauftragten Werbeagentur DDB Paris bestimmt gerne einen schönen Batzen Geld bezahlt hat. Die Gegenüberstellung des Neuen, selbst Geschaffenen nicht mit Altem, sondern mit „Eigenem“ ist meisterhafte Rhetorik. Die Natur ist unser Ureigenes, unser Selbst. Die von Menschen geschaffene Technik ist der Teufel in Gestalt von Millionen nicht kontrollierbarer („Nichts kann ihnen etwas antun“) Miniaturkampfhubschraubern, die sich als harmlose und nützliche Bienen tarnen, in einer von naiven, technikgläubigen Ingenieuren, die nicht wissen, was sie tun, nur reparierten, aber darum eben nicht heilen Welt.

Der neue Spot ist Teil der Greenpeace-Bienenkampagne, die offenbar der Antiagrarindustriekampagne eine neue Note geben soll. Nicht das Wildtier ist bedroht, sondern eines der ältesten Nutztiere, also Freunde des Menschen und damit wiederum wir Menschen selbst. Pestizide und Gentechnik vergiften nicht nur uns selbst, wie Greenpeace uns seit Jahrzehnten gebetsmühlenartig predigt (ohne dass sich irgendwelche nennenswerten gesundheitlichen Risiken belegen ließen), sondern auch unsere fleißige, uralte Freundin, die Biene. Die aber spielt als Bestäuber vieler Kulturpflanzen, etwa Äpfel, Melonen oder Kaffee, eine wichtige Rolle für die Nahrungsmittelversorgung.

Doch noch sei es nicht zu spät. „Das Bienensterben kann mit ökologischen Methoden in der Landwirtschaft gelöst werden“, erfahren wir in einer Pressemitteilung [2], die uns das Ergebnis einer am 7. Mai von Greenpeace veröffentlichten Studie [3] präsentiert. Es lautet: „Der Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide – eine der Hauptursachen für das weltweite Bienensterben – ist überflüssig.“

Das kann man ein klar formuliertes Ergebnis nennen. Dennoch drängen sich zwei Fragen auf. Erstens: Sind Pestizide wirklich eine Hauptursache für das Bienenstreben? Und zweitens: Ist der Einsatz von synthetischen Pestiziden wirklich überflüssig? In der Studie nach Antworten zu suchen, scheint wenig ratsam. Denn Greenpeace bekennt freimütig, dass es sich offenbar nicht um eine wissenschaftliche „Studie“ handelt. Vielmehr ist sie „Teil einer Kampagne von Greenpeace, der unabhängigen Umweltschutzorganisation, zum Schutz von Bienen und Landwirtschaft.“ „Schutz von Bienen und Landwirtschaft“, das ist auch eine schöne Formulierung.

Nein, Pestizide sind nach gegenwärtigem Stand der Wissenschaft keineswegs eine Hauptursache des Bienensterbens. Verantwortlich sind in erster Linie sich global ausbreitende Parasiten, wie die Varroamilbe, die verschiedene Viren überträgt. Als wesentliche Faktoren, die die Anfälligkeit erhöhen,  gelten ein zu einseitiges Nahrungsangebot mit vielen Monokulturen und wenig Blumenwiesen, ungünstige Wetterbedingungen (harte Winter und feuchter Frühling) sowie ein zu harter „Arbeitseinsatz“ mit langen Reisen über Tausende von Kilometern. Zudem sind heutige Bienen überzüchtet und weisen zu wenig genetische Variabilität und damit zu wenig Widerstandsfähigkeit auf. Dominante Züchtungsziele waren über Jahrhunderte geringe Aggressivität und hohe Honigproduktion.

Ein Zusammenhang von Insektizideinsatz und Bienensterben konnte indes nicht gezeigt werden. Die sogenannten Neonicotinoide, die insbesondere zum Beizen von Saatgut genutzt werden, sind zwar giftig für Bienen. Sie werden jedoch so eingesetzt, dass die Bienen sie nicht oder nur in sehr geringen Mengen aufnehmen können.

Man kann sich also eine Reihe von sinnvollen Maßnahmen vorstellen, um die Verluste von Bienenvölkern zu reduzieren, etwa die Umrandung von Feldern mit Blühwiesenstreifen oder die Zucht von widerstandsfähigen Stämmen. Die von Greenpeace in erster Linie geforderte „schrittweise Verbannung aller chemischen Pestizide (Herbizide, Insektizide und Fungizide) in ganz Europa durch die flächendeckende Einführung der ökologischen Landwirtschaft“ gehört jedoch nicht dazu. Das ist nur die altbekannte, rückwärtsgewandte grüne Vision, vor deren Karren nun die ohnehin schon geschwächten Bienen gespannt werden.

Ausgerechnet der Gentechnikriese Monsanto hat ebenfalls einen Versuch gestartet, die Bienen zu retten. Die 2011 vom Konzern übernommene israelische Firma Beeologics hat auf Basis der sogenannten RNAi-Technologie einen Wirkstoff entwickelt, mit dem Bienen gegen das Israel Acute Paralysis Virus (IAPV) geschützt werden. [4] Das Produkt ist gerade in der Erprobung in Feldversuchen. Weitere Substanzen zum Schutz vor anderen durch die Varroamilbe übertragenen Viren sollen folgen. Greenpeace’  Kommentar dazu: „Der Agrarriese Monsanto will in die Gene der Bienen eingreifen, um den Parasiten zu töten.  Kritiker schlagen Alarm.“ [5] Das klingt ein bisschen nach der biotechnischen Variante der „New Bee“, ist aber nicht korrekt. Es geht darum, die Aktivität einzelner Gene der Varroamilben sowie der von ihnen übertragenen Viren zu reduzieren, so dass diese sterben bzw. sich nicht vermehren können.

erschienen bei NovoArgumente

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